Wie lange braucht eine Idee, bis sie eine Schule wird?

Neun Jahre. Im Juni 2017 habe ich auf einem Handy eine Schule beschrieben, die es nicht gab. Im September 2026 sitzen siebzehn Kinder in der Strubergasse, zwei Mentoren arbeiten mit ihnen. Dazwischen liegen ein Podcast, drei Videos in einem Oktober, ein Verein, ein Umzug und sehr viele Samstage. Die Idee war an einem Abend fertig. Der Weg zur Schule hat neun Jahre gebraucht.

Ich habe die alten Aufnahmen wieder angeschaut, um zu sehen, wie viel davon Erinnerung ist. Das meiste steht wörtlich drin. Das Bild vom Gebäude stimmt nicht mehr, die Rollen darin schon.

Ich sitze auf einem Bett und rede achtzehn Minuten über Schule. Die These ist historisch: Das System wurde für Fabrikarbeit gebaut, und dafür hat es gut funktioniert. Stillsitzen, zuhören, Anweisungen befolgen.

schools were designed to help us work in factories

Dann kommt der Vorschlag, und der ist erstaunlich nah an heute. Eine Plattform, auf der die besten Lehrerinnen und Lehrer der Welt zusammenkommen. Lokale Zentren, in denen man gemeinsam übt, was man zuhause gesehen hat. Ein Lebenslauf, der zeigt, wofür jemand sechzehn Jahre lang gebrannt hat. Der Zwanzigjährige wollte anbauen, und er sagt es im Video ausdrücklich: ein fließender Übergang.

Ein Jahr später nehme ich mit einundzwanzig die erste Folge eines eigenen Bildungs-Podcasts auf. Diese Notiz benutzt nur meine eigenen Passagen daraus. In einer davon stelle ich eine Frage, die ich seither nicht mehr losgeworden bin.

Wenn wir super intelligente Leute aus allen möglichen Bereichen zusammensetzen würden … das Beste, was wir machen können mit Kindern zwischen sechs und 19 Jahren.

Dazu entwickle ich live ein Bildungszentrum mit Mentoren. Das Argument dafür ist heute noch dasselbe: Kein Erwachsener weiß alles, im Netz liegt der Stoff, und die Erwachsenen im Raum müssen gebildet genug sein, um Kindern beim Verstehen und beim Anwenden zu helfen.

Drei Monate nach meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag beschreibe ich ein Haus: rund, mit Garten, mit einer großen Küche, und es soll sich anfühlen wie ein großes Gemeinschaftshaus. Seinen Coach sucht man sich selbst aus. Man spricht mit mehreren und entscheidet, wem man vertraut. Fünf bis sechs Aufgaben hat dieser Coach: herausfinden, wer du bist, Klarheit über dein Ziel schaffen, dein Lernen individuell planen, dich begleiten, und dir das Arbeiten und das Lieben beibringen.

Zwei Sätze aus diesen Videos haben gehalten. Der erste: Lernen passiert im Zusammenhang von Beziehungen, deshalb muss der Ort ein physischer Ort sein. Der zweite ist eine Grenze, die ich mir selbst gezogen habe.

the only person in the world that should truly decide what to learn … is your coach and you

Ich lehne dort ein System ab, das aus Daten vorschlägt, was ein Kind als Nächstes lernen soll. Sechs Jahre später baue ich eine Lernplattform mit KI. Das ist die eine Stelle, an der ich mir selbst widerspreche, und die Auflösung gefällt mir besser als beide Positionen. Heureka zeigt einem Kind, wo es steht. Über das Nächste entscheidet das Kind mit seinem Mentor. Die Plattform läuft auf Wunsch ohne KI und sogar offline. Aus der Sorge von 2019 ist eine Bauregel von 2026 geworden.

Aus dem runden Haus mit Garten ist ein erster Stock in einer Salzburger Straße geworden, mit fünf Räumen, die Agora, Forum, Laboratorium, Phantasia und Skriptorium heißen. Aus dem Coach ist ein Mentor mit einer Rolle geworden, die im Handbuch steht, samt Obergrenze von zwölf Kindern. Die freie Wahl unter vielen Coaches ist bei zwei Mentoren keine große Wahl mehr. Das ist eine ehrliche Einschränkung und kein Detail.

Der Ton von damals fehlt mir nicht. Ich habe 2019 mit sehr großen Worten über sehr wenig Erfahrung geredet. Was den Sprung überstanden hat, sind die Fragen, die aus ersten Prinzipien kommen: Wer entscheidet, was ein Kind lernt. Woran erkennt man, dass etwas gelernt wurde. Wem vertraut ein Kind. Die Antworten darauf stehen heute in Was sollte Schule heute leisten? und werden jede Woche geprüft.

Der ehrlichste Beleg dafür, dass die Idee trägt, ist einer, den ich nicht erfunden habe. Ein Jugendlicher, der mit zwölf ins Colearning kam, um eine Drohne zu bauen, ist mit vierzehn Initiator seiner eigenen KI-Plattform, nachzulesen in Mit 14 eine KI-Plattform bauen. Damals habe ich beschrieben, was möglich wäre. Heute kann ich auf jemanden zeigen.

Von der Skizze zum ersten Schultag

Juni 2017: Ein Handyvideo über Schule für Fabrikarbeit, eine Plattform der besten Lehrer und einen Lebenslauf, der die Begeisterung zeigt.. Juli 2018: Die erste Folge eines eigenen Bildungs-Podcasts mit der Frage, was die besten Fachleute für Kinder zwischen sechs und neunzehn bauen würden.. Oktober 2019: Drei Videos in drei Wochen: das Haus mit Garten, der selbst gewählte Coach, seine fünf bis sechs Aufgaben, Lernen im Moment des Bedarfs.. 2022: Die Freie Schule Salzburg wird geplant.. 2023: Einzug in die Strubergasse 26, Räume im ersten Stock.. März 2024: Das Colearning beginnt, samstags in der Magazinstraße 4. Hier wird geprüft, was später in die Schule geht.. 2025/26: Das Öffentlichkeitsrecht auf Dauer ist da. Zeugnisse gelten, die jährliche Externistenprüfung fällt weg.. 20. August 2026: Sechs Reifestufen werden beschlossen. Stufe null bekommt jedes Kind am ersten Tag.. 14. September 2026: Schulstart mit siebzehn Kindern und zwei Mentoren, höchstens zwölf Kinder je Mentor.

Was aus den alten Videos übrig geblieben ist

Erwachsene begleiten. Ein Mentor arbeitet an den Projekten der Kinder mit und trägt keinen Stoff vor.. Die besten Inhalte kommen von überall her. Der Mensch im Raum sorgt dafür, dass sie ankommen und angewendet werden.. Gezeigt wird, was gebaut wurde. Vier Expos im Schuljahr, öffentlich. Entweder steht etwas auf dem Tisch, oder es steht nichts da.. Gelernt wird im Moment des Bedarfs. Das Vorhaben zieht den Stoff.. Vertrauen ist die Voraussetzung. Zugehörigkeit gilt ab dem ersten Tag, und Verantwortung wächst danach in Stufen.

Belegt

Juni 2017: eigenes Video über Schule für Fabrikarbeit, eine Plattform der besten Lehrer, umgedrehten Unterricht und einen Lebenslauf, der die Begeisterung zeigt. Juli 2018: erste Folge des eigenen Bildungs-Podcasts, mit der Frage nach dem Besten für Kinder zwischen sechs und neunzehn. Oktober 2019: drei Videos mit dem Gebäude, dem selbst gewählten Coach, seinen fünf bis sechs Aufgaben und der Ablehnung eines datengetriebenen Lernpfads. Öffentlichkeitsrecht auf Dauer seit dem Schuljahr 2025/26, auf Basis eines eigenen Organisationsstatuts. Schulstart 2026/27 mit siebzehn Kindern und zwei Mentoren, höchstens zwölf Kinder je Mentor. Sechs Reifestufen seit dem 20. August 2026, Stufe null bekommt jedes Kind am ersten Tag. Eigene Videos vom 11. Juni 2017, 8. Juli 2018 sowie vom 3., 7. und 21. Oktober 2019. Schulfakten aus freieschulesalzburg.at und dem Paideia-Kernhandbuch, Stand September 2026.

Diese Notiz wächst

2026-09-03: Gepflanzt aus fünf eigenen Videos von 2017, 2018 und 2019, gegengelesen an den heutigen Schulfakten.

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