Wie verschafft man sich mit KI in einer Nacht einen ehrlichen Überblick über das eigene Leben?

In einer Nacht im August 2024 habe ich alles, was gerade in meinem Leben passierte, ins Mikrofon gesprochen und einem Modell übergeben. Daraus wurde ein Bericht über dreizehn Seiten. Der Ertrag kam danach: den Bericht ausdrucken, jeden Bereich mit der Frage prüfen, ob er Freude bringt, und was übrig bleibt, in drei Bewegungen zerlegen. Delegieren, automatisieren, systematisieren.

Es war 5:19 Uhr, ich saß im Coworking und hatte mir am Abend davor gesagt, dass ich nicht gehe, bevor mein Video fertig ist. Auf dem Kanal lagen damals rund 272 Videos, und trotzdem war lange keines dazugekommen. Diese Nacht war der Versuch, die eigene Überforderung einmal von außen anzusehen, statt sie weiterzuschieben.

Im Kopf lässt sich ein Leben schlecht sortieren. Auf Papier geht es. Sobald alles an einem Ort steht, sieht man Doppelungen, tote Stränge und die Stellen, an denen zu viel gleichzeitig läuft. Das Dokument selbst ist noch kein Ergebnis. Es ist die Voraussetzung dafür, überhaupt entscheiden zu können.

Lass uns ehrlich sein, das Leben ist super leicht, es ist nur echt schwer umzusetzen, was man weiß.

Im Video steht der Satz über Schlaf, Essen und Bewegung. Für Arbeit gilt er genauso. Was zu tun wäre, weiß man meistens. Was fehlt, ist der Überblick, der die Entscheidung erzwingt.

Marie Kondo räumt Wohnungen so auf: alles aus allen Ecken hervorholen, auf einen Haufen legen und jedes einzelne Stück in die Hand nehmen. Die Frage dazu lautet, ob es Freude bringt. Was sich nicht gut anfühlt, geht weg. In dieser Nacht habe ich dieselbe Frage an Projekte gestellt, Bereich für Bereich, mit dem Ausdruck vor mir.

Für alles, was diesen Filter übersteht, gibt es danach drei Wege.

Ich kann delegieren, ich kann automatisieren und ich kann systematisieren.

Delegieren heißt, ein Mensch übernimmt. Automatisieren heißt, eine Maschine übernimmt. Systematisieren ist meistens die Mischung aus beidem plus ein kleiner Rest, der bei mir bleibt. Dazu kommt ein vierter Weg, den ich damals fast beiläufig genannt habe.

Das dritte, was viel Hebelwirkung hat, ist Content, weil ich dadurch mit mehr als einer Person auf einmal reden kann.

Dieser Garten ist genau das. Ein Gedanke, der einmal sauber aufgeschrieben ist, arbeitet weiter, auch wenn ich schlafe. Was ich unter Hebel verstehe und wie man den eigenen prüft, steht auf der Seite zum Hebel.

Zwei Jahre später ist von dieser Nacht mehr geblieben als das Dokument. Aus dem einmaligen Sprach-Dump ist ein second-brain geworden, also eine geordnete Sammlung von Notizen, Beschlüssen und Begründungen, die ein Mensch und eine Maschine gleich gut lesen können. Ein Bericht veraltet in vier Wochen. Eine Sammlung, in die jedes Gespräch zurückfließt, wächst.

Die zweite Änderung betrifft die Richtung. Damals habe ich geredet, und das Modell hat zugehört. Heute lasse ich zuerst fragen. Der Prompt dafür ist ein Satz: Basierend auf dem, was du über mich und meine Ziele weißt, welche Information kann ich dir noch geben, damit du mir besser hilfst. Die Technik heißt Reverse Prompting, und sie holt in zwanzig Minuten heraus, wofür ich damals eine Nacht gebraucht habe. Der ganze Ablauf steht in Sollte die KI dich interviewen, bevor du sie promptest?

Die dritte Änderung ist die unscheinbarste. Ich kopiere den Text nicht mehr von Hand durch mehrere Fenster. Der Agent liest selbst, was über mich geschrieben steht, weil er Lesezugriff auf die richtigen Ordner hat. Der kontext kommt damit aus dem Zugriff und nicht mehr aus der Zwischenablage. Warum das mehr trägt als jede Formulierung, steht in Warum schlägt Zugriff den Prompt?

Gleich geblieben ist die Reihenfolge. Erst ausmisten, dann delegieren, dann automatisieren. Wer eine Aufgabe automatisiert, die er hätte streichen können, hat sie für immer behalten. Dazu gibt es eine eigene Notiz, Was löscht man, bevor man automatisiert? Und wer wissen will, wie weit ein Assistent bei ihm überhaupt schon gehen darf, findet die Stufen in Auf welcher Stufe der Jarvis-Leiter stehst du wirklich?

Am Ende des Videos sage ich, ich sei gespannt, in drei, fünf oder zehn Jahren darauf zurückzuschauen. Zwei Jahre davon sind vorbei. Ein guter Teil der Projekte von damals läuft nicht mehr. Genau dafür war der Filter da.

Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge

Sprechen statt tippen: im Chat auf das Mikrofon drücken und alles erzählen, was gerade läuft. Projekte, Termine, Menschen, offene Fragen, das Unangenehme zuerst. Reden ist schneller als Schreiben und dabei ehrlicher.. Rohtext prüfen: den Text einmal ganz lesen, falsch verstandene Wörter korrigieren und ergänzen, was beim Sprechen gefehlt hat.. Gegencheck mit mehreren Modellen: denselben Text durch zwei oder drei verschiedene Modelle schicken. Jedes findet andere Lücken, und genau die Unterschiede sind der Ertrag.. Verdichten: aus den Fassungen ein einziges Dokument bauen, sauber gegliedert und notfalls in Teilen, weil sehr lange Texte in einem Durchgang selten sauber herauskommen.. Ausdrucken: erst auf Papier fällt auf, wie viel dort eigentlich steht.

Aus dem Video

Aufgenommen um kurz nach fünf Uhr früh im Coworking, nach der Ansage am Vorabend, nicht ohne fertiges Video zu gehen.. Ergebnis der Nacht: ein Bericht über dreizehn Seiten zum eigenen Leben.. Schritt eins ist der Sprach-Dump ins Modell, nicht das Tippen.. Schritt zwei ist der Gegencheck: derselbe Text durch mehrere Modelle, weil jedes andere Lücken findet.. Der Filter ist die Frage nach der Freude, angewandt auf Projekte statt auf Gegenstände.. Die Hebel danach: delegieren, automatisieren, systematisieren, und Content als vierter.. Wie ich mein Leben in einer Nacht mit KI organisiert habe, YouTube, 8. August 2024, 34 Minuten 43 Sekunden.

Diese Notiz wächst

2026-09-03: Gepflanzt aus dem Video "Wie ich mein Leben in einer Nacht mit KI organisiert habe", 2024.

ZukunftBilden GmbH · Salzburg · +43 681 81655313 · office@zukunftbilden.eu